Der Orden packt seine Koffer – letzte Patres verlassen Biesdorfer St.-Josef-Gymnasium

Im „Trierischen Volksfreund“ erschien am 13.03.2017 ein Artikel vom Autor Uwe Hentschel mit dem Titel „Der Orden packt seine Koffer - letzte Patres verlassen Biesdorfer St.-Josef-Gymnasium“. Auszüge dieses Berichtes werden nachfolgend wiedergegeben.

Mit Ende des Schuljahres 2016/17 werden am Biesdorfer St.-Josef-Gymnasium die letzten Patres ihre einstige Wirkungsstätte verlassen.

Als Pater Willi von Rüden 1986 nach Biesdorf kam, war das Haus noch voll. 28 Patres und vier Brüder lebten Mitte der 80er im Biesdorfer Missionshaus. Und ein gutes Dutzend Geistliche unterrichtete zu dieser Zeit noch im angrenzenden Sankt-Josef-Gymnasium. In den Jahren darauf jedoch hat sich das Feld gelichtet. Sowohl in der Schule, wo inzwischen kein Pater mehr unterrichtet, als auch im Wohnheim. Denn Willi von Rüden war der letzte Pater, der kam. Und er gehört jetzt auch zu den letzten, die gehen. Zum Ende des Schuljahres werden er und die anderen fünf übriggebliebenen Ordensbrüder Biesdorf verlassen. Sie ziehen in eine neue Einrichtung nach Betzdorf, verbringen dort mit den übrigen Missionaren von der Heiligen Familie ihren betreuten Lebensabend (siehe Hintergrund-Info weiter unten).

„Dem Kopf ist die Sache klar, doch dem Herz fällt es schwer“, sagt von Rüden. „Wir gehen alle nicht gerne, sehen aber die Notwendigkeit“, fügt er hinzu. Schließlich sei der älteste seiner Mitbrüder fast 90 und er selbst als jüngster immerhin auch schon 63. „Man merkt natürlich schon, dass man älter wird“, sagt von Rüden. Deswegen werden zum Schuljahresende im Sommer die Koffer und Umzugskartons gepackt.

Rein praktisch gesehen bedeutet der Weggang der Ordensleute, dass die Biesdorfer Kapelle und das derzeitige Patreswohnheim in den Besitz des Schulträgers übergehen und sich dadurch neue Nutzungsmöglichkeiten ergeben. Was das Wohnheim betrifft, so gibt es Überlegungen, dieses Gebäude für Fortbildungsmaßnahmen oder sonstige schulaffine Zwecke zu nutzen.

Das Leben auf dem Schulgelände geht wie gewohnt weiter, allerdings ohne die Patres. Deren Ära geht zu Ende. Und das nicht nur in Biesdorf. Mit der Auflösung der Niederlassung in der Eifel bleibt von der deutschen Ordensprovinz der Missionare von der Heiligen Familie nur noch der Standort in Betzdorf im nördlichen Rheinland-Pfalz.

 

Hintergrund „Missionare von der Heiligen Familie“ (MSF):

Der Orden wurde 1895 von Jean-Baptiste Berthier in den Niederlanden gegründet und wird seit 1958 von Rom aus geleitet. Die erste deutsche Missionsschule wurde 1920 im Sauerland gegründet. Derzeit gibt es nur noch zwei Standorte, den in Biesdorf und den in Betzdorf, wo zum einen die Provinzverwaltung sitzt und auch eine Pflegeeinrichtung für alte und kranke Mitbrüder ist.

Zuletzt wurde das Missionshaus Maria Königin in Altenhundem aufgelöst. Auch dort gibt es ein Gymnasium, das genau wie das Biesdorfer Gymnasium einst vom Orden geleitet wurde und inzwischen an einen anderen Träger übergegangen ist.

Patres verlassen Biesdorf

Vor wenigen Tagen erreichte uns die folgende Meldung über das „Wochenblatt des Trierischen Volksfreundes“:

Biesdorf. Nach 95 Jahren verlassen die Patres der Missionare von der Heiligen Familie das Gelände des St.-Josef-Gymnasiums in Biesdorf. Die Kommunität des Ordens wird zum 1. August aufgelöst. Sämtliche Patres der Hausgemeinschaft ziehen in eine neu errichtete Niederlassung in Betzdorf an der Sieg um. Über die Stiftung St.-Josef-Gymnasium Biesdorf, die mehrheitlich die Anteile an der Trägergesellschaft der Schule hält, bleibt der Orden aber in die schulischen Belange involviert. Die Biesdorfer Kapelle und das derzeitige Patreswohnheim (Foto) gehen in den Besitz des Schulträgers über. Für beide Bauwerke werden derzeit mögliche Verwendungen geprüft.

Hier haben die Patres gelebt und gewirkt. Nach 95 Jahren verlassen sie nun Biesdorf. Das Foto zeigt das Patreswohnheim und die Kapelle im Januar 2017.

Hier haben die Patres gelebt und gewirkt. Nach 95 Jahren verlassen sie nun Biesdorf. Das Foto zeigt das Patreswohnheim (links) und die Kapelle im Januar 2017.

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