Forum

An dieser Stelle bieten wir Ehemaligen die Gelegenheit zum aktiven Austausch miteinander.

14 Kommentare

  1. Gudrun Schramm-Arntzen

    Stellungnahme zu den Ermittlungen zu Fällen sexuellen Missbrauchs im damaligen Internat der Missionare von der Heilige Familie in Biesdorf.

    Gudrun Schramm-Arntzen, Erste Kriminalhauptkommissarin a.D.

    Die vielen Kommentare zu Fällen des sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen im Sankt-Josef-Gymnasium in Biesdorf bedürfen einer grundlegenden Richtigstellung. Zur Versachlichung der Diskussion und um der Wahrheit einen Dienst zu erweisen sehe ich mich veranlasst, mich über die Ermittlungen und Aufarbeitung dieser Missbrauchsfälle zu äußern.

    Nach Eingang der Anzeige im November 2007 bei der Provinzleitung des Ordens der Missionare von der Heiligen Familie über Missbrauchsfälle aus dem Jahr 1966 im Sankt-Josef-Gymnasium Biesdorf setzte die Ordensleitung unverzüglich eine unabhängige Kommission zur Aufklärung des angezeigten Sachverhaltes ein.
    Zu dieser Kommission gehörten Frau Prof. Wijlens (Professorin für Kirchenrecht an der Universität Erfurt) und ich, Gudrun Schramm-Arntzen (Erste Kriminalhauptkommissarin a.D.). Die Staatsanwaltschaft wurde in Kenntnis gesetzt. Aufgrund der rechtsverjährten Taten blieb nur noch die Möglichkeit, auf der Grundlage des Kirchenrechts zu ermitteln.

    Ich habe die Ermittlungen auf der Grundlage des Kirchenrechts geführt und auch den Beschuldigten vernommen. Der Beschuldigte hat in der Vernehmung seine Taten eingestanden. Es wurde eine Ermittlungsakte geführt, die auch an die Glaubenskongregation in Rom übermittelt wurde.
    Die Opfer und Betroffenen wurden alle von dem Ausgang des Verfahrens in Kenntnis gesetzt. Auch die Ordensleitung und die Mitglieder des Ordens wurden über das Verfahren durch mich in einer gesonderten Veranstaltung in Kenntnis gesetzt. Alle haben tiefe Betroffenheit und Scham gezeigt, dass den Opfern dieses Leid durch eines ihrer Mitglieder zugefügt wurde.

    In der Folgezeit gab es über fünf Jahre intensiven Kontakt zu den Opfern aus dieser Zeit. Der Missbrauchsbeauftragte, Pater Michael Baumbach MSF, hat sich über Telefon, E-Mail und über persönliche Gespräche der Anliegen, Fragen und Bedürfnisse der Geschädigten angenommen. Ein Geschädigter wollte keine Öffentlichkeit. Er wünschte als Zeichen der Übernahme von Verantwortung durch die Ordensprovinz die finanzielle Unterstützung von Opferschutzorganisationen. Diesem Wunsch kommt die Ordensprovinz auch noch heute nach. Sie leistet finanzielle Unterstützung von Opferschutzorganisationen. Zudem wurden Geschädigten freiwillige finanzielle Leistungen in Anerkennung des Leids zuerkannt. Auch wurden bei anderen Betroffenen Therapiekosten übernommen.

    Es ist also nicht richtig, dass seitens des Ordens keine Reaktion erfolgte. Das heutige Sankt-Josef-Gymnasium ist zudem mit diesen Fällen überhaupt nicht in Verbindung zu bringen, da es zu einer anderen Trägerschaft gehört.
    Die Missbrauchsfälle in Biesdorf wurden intensiv in die Aufarbeitung eines umfassenden Missbrauchsfalls in einem anderen Internat der Missionare von der Heiligen Familie (angezeigt im Jahr 2008) eingebettet. Auch hier wurden kirchenrechtliche Untersuchungen geführt. Der Beschuldigte aus dem Verfahren in Biesdorf verstarb kurz nach den Ermittlungen, so dass die Sanktionen gegen ihn nicht mehr greifen konnten.

    Wenn in Kommentaren behauptet wird, es hätte keine Aufklärung gegeben, Dinge wären vertuscht worden und der Opfer hätte sich niemand angenommen, so sind diese Angaben wissentlich falsche Aussagen, die jeder Grundlage entbehren und eine üble Nachrede darstellen.
    Der sexuelle Missbrauch von Minderjährigen weist ein sehr großes Dunkelfeld aus. Ein erkennbares Täterprofil gibt es nicht, was schließlich, wenn Täter bekannt werden, seinen Ausdruck der Betroffenheit in der Äußerung „das hätte ich ihm niemals zugetraut“ findet. Täter sind in allen gesellschaftlichen Schichten und Berufsfeldern zu finden. Wenn sie ermittelt werden, handelt es sich um Einzelfälle.
    Es gibt keine Veranlassung einen ganzen Orden, die Kirche, usw. unter Kollektivschuld zu stellen.

    Gudrun Schramm-Arntzen, Erste Kriminalhauptkommissarin a.D.

  2. Ludwig

    Wo sind denn die Beiträge der letzten drei Monate zum Thema Missbrauch und Verantwortlickeit hingekommen? Außer dem Beitrag der Hauptkommissarin scheint alles gelöscht. Das finde ich aber vor dem Hintergrund einer weiterhin offenen und transparenten Diskussion auf der Ehemaligenseite nicht gut und spielt denen in die Hände, die unterstellen, dass das Thema unter den Teppich gekehrt werden soll.
    Ludwig (ein etwas verdutzter Ehemaliger, der sich freuen würde, wenn der Webmaster das aufklären könnte……..)

  3. Helmut

    Nach dem 35. Beitrag vom 6. April 2013
    „Ettal“ auch im Bistum des “Missbrauchsbeauftragten”, Bischof Ackermann: Beispiel Biesdorf .
    wurde abrupt die Kommenatrfunktion geschlossen. Vertragen manche Menschen die Wahrheit nicht? Von wem wurde Druck ausgeübt gegenüber dem unabhängigen Forum hier? Das Thema ist für den unbedarften Leser unter HOME verschwunden und wurde in der Besenkammer = FORUM abgelegt, wo sich nur wenige Leser hin verirren werden. Geschickt, geschickt…
    Ludwig, die 35 Kommentare unter „Ende einer Odyssee… “ snd auf den ersten Blick verschwunden, lassen sich aber immer noch lesen nach einem Doppelklick auf der Überschrift “ Ende einer O….“

  4. webmaster

    Hallo Ludwig!
    Schön, dass du die Website regelmäßig besuchst und aktiv zum sachlichen Austausch zwischen ehemaligen Biesdorfern beiträgst.
    Zu deiner Frage: Nicht ein einziger Beitrag ist abhanden gekommen oder gar gelöscht worden. Die Kommentare und Beiträge der vergangenen drei Monate stehen genau an der Stelle, an der sie gemacht worden sind (nämlich unter dem Artikel zum neuen Schulleiter). Dort werden sie auch bleiben. Allerdings macht es nicht wirklich Sinn, eine thematisch anders ausgerichtete Diskussion an dieser Stelle fortzuführen.

    Deshalb wurde der neue Menüpunkt „Forum“ angelegt und als erster Eintrag der Artikel der Hauptkommissarin dort eingestellt. Dies dient vor allem einer besseren Übersichtlichkeit und Struktur der Webpräsenz.

    Freundliche Grüße, Josef

  5. Ludwig

    Vielen Dank an den Webmaster Josef, bin froh. dass nichts gelöscht wurde, das hätte der
    Transparenz für die Ehemaligen nämlich geschadet. Bin dafür, dass wir alle weiter sachlich
    und trotzdem unter emotionalen Antennen mit diesem Thema umgehen (lernen)
    LG Ludwig (Ehemaliger aus den 70 igern)

  6. Ludwig

    Pitt wäre jetzt 100…….
    Pitt nannten wir ihn, unseren Präfekten Pater Peters, der so viele Rollen authentisch ausfüllen konnte. Er hatte ein fast mütterliches Gespür für unser Heimweh und fand tröstende Worte und Möglichkeiten der Ablenkung, er war mit diesem annehmenden positiven Grundverständnis
    auch in der Pubertät ein ratgebender Erzieher mit dem Mut zur langen Leine bei unseren Ausflüge nach Kruchten zur „Old“ und er war für uns Jungen ein überzeugender Priester, der es verstand, Theologie auf junge Menschen herunterzubrechen, seine Predigten waren lebensnah und brachten uns zum Nachdenken. Und vor dem Gottesdienst hatte er als Frühaufsteher schon allen Namenstagskindern des Tages eigenhändig ein Gedeck mit Blümchen und Gebäck hingestellt. Individualität und Gemeinschaftserziehung waren für ihn die zwei Seiten einer persönlichkeitsprägenden Medaille und Ermutigung seine Grundhaltung.
    In diesem Jahr wäre der 1913 am Niederrhein geborene Pater Ernst Peters 100 Jahre alt geworden und bei all den vielen kritischen Stimmen zur Internatserziehung in letzter Zeit sollten wir Ehemalige vielleicht auch einmal an eine Persönlichkeit erinnern, die uns gut getan und positiv geprägt hat.

  7. Helmut

    Der heutige Trägerverein des St.-Josef-Gymnasiums in Biesdorf versteht sich ausdrücklich in der Tradition der Missionare von der Hl. Familie. Um es ausdrücklich zu sagen, niemand aus der heutigen Leitung des Gymnasiums hat Schuld an den sexuellen Misshandlungen denen Kinder auch in Biesdorf ausgesetzt waren. Aber, auch die heutige Leitung trägt Verantwortung, insbesondere da sie sich in der Tradition dieses “Ordens” sieht. Nach wie vor wird diese Verantwortung geleugnet, auch vom Orden.

    Nach wie vor sind Ordensangehörige in Biesorf aktiv, nach wie vor sind Angehörige dieses Ordens, die um die Misshandlungen von Anfang an wussten und wissen sich aber bis heute nicht geäußert haben in der Öffentlichkeit aktiv und lassen sich als grosse Freunde der Kinder und Jugendlichen feiern. Dies macht mich mehr als wütend.

  8. Helmut

    Ein Ehemaliger schreibt im Volksfreund u.a.:

    Ich war Internatsschüler in Biesdorf von 1973 bis 1977 und habe aus der Ferne die Leserbriefe und Diskussionen zum Thema Biesdorf verfolgt. Erschüttert bin ich nicht über die dortigen Praktiken, die habe ich selbst am eigenen Leib erfahren, sondern über die Ignoranz und die unerträgliche Bagatellisierung und Banalisierung derjenigen, die dies nicht miterlebt haben.

    Dass Aussagen wie „Schläge waren doch üblich“ oder Hinweise, dass die Kinder ihre Lehrer oder Präfekten provoziert hätten (also selbst schuld?), vorzugsweise von Briefschreibern kamen, die auch heute noch der katholischen Kirche irgendwie verbunden sind, sei es als Priester, Lehrer oder Mediziner, zeigen, dass diese Menschen noch nichts aus dem Skandal gelernt haben. Einige Schreiber behaupten, es hätte nie Prügel in Biesdorf gegeben. Das ist einerseits gelogen, andererseits stellt es denen, die diese Prügel bezogen haben, das Recht auf eigene Erinnerungen in Abrede.

    Tatsache ist, dass es in Biesdorf in „meiner Zeit“ keine systematische Prügel gegeben hat. Wer allerdings Pech bei der Einteilung der Präfekten hatte oder einfach zur falschen Zeit am falschen Ort war, der hat Erinnerungen an Biesdorf, die man lieber nicht teilen möchte. Für meinen Präfekten gehörten drakonische Strafen inklusive Schlägen bis zu schwerer Prügel zur Tagesordnung.

    Daher habe ich an Biesdorf auch keine einzige freudige Erinnerung. Und die vielen schlechten möchte ich mir nicht banalisieren lassen.

    Für mich gehörte nach Biesdorf zur Nachhaltigkeit katholischer Erziehung nur noch der dringende Wunsch, so bald wie möglich diese Kirche zu verlassen.

  9. Helmut

    Bei den Missionaren von der hl. Familie vermissen Ehemalige, Opfer und deren Angehörige bis heute das „Anerkennen des Versagens der Ordensgemeinschaft“ und einen erkennbaren, ehrlichen Willen zur vorbehaltlosen Aufarbeitung von Misshandlungen und sexueller Gewalt an in ihre Obhut gegebenen Schutzbefohlenen.

    In Biesdorf wird seit der Presseveröffentlichung 2010 der große Mantel des Schweigens über die Verbrechen der Vergangenheit ausgebreitet. Die Verweigerungshaltung von Schulträger und Orden spricht Bände.

  10. Helmut

    Die Verbrechen verursachen bis heute tiefe Schmerzen. Den Opfern, ist die Fröhlichkeit der Jugend genommen worden, ein Stu?ck Urvertrauen zu anderen Menschen. Unbeschwertheit ist ein Begriff aus fernen Welten. Durch das ganze Leben zieht sich die Spur der Angst und des Verdrängens.

    Aber Biesdorf zeigt sich kalt und arrogant.

  11. Helmut

    Die letzten Patres verlassen Biesdorf.

    Die Patres hinterlassen bei einigen Menschen nur Trümmer – und dafür werden sie einmal Rechenschaft ablegen müssen! Ich denke, der Schaden ist schon längst groß – Verlust jeder Glaubwürdigkeit. Aber das wollen die Verantwortlichen nicht wirklich wahrhaben – sie belügen sich selbst.

  12. Paul

    Lieber Helmut,
    man muss leider hinnehmen, dass Taten mit religiösem Hintergrund oder im religiösen Milieu juristisch laxer gehandhabt werden.
    Es sind nicht alle gleich vor dem Gesetz.

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